Einsteigen: Rampe oder Lift
Damit Sie im Rollstuhl sitzen bleiben können, braucht das Fahrzeug eine Einstiegshilfe: eine Rampe oder einen Lift. Darüber werden Sie mit Hilfe der Fahrerin oder des Fahrers in das Fahrzeug geschoben oder fahren selbst hinein.
Ob alles passt, hängt von Ihrem Rollstuhl ab: Breite der Türöffnung, Höhe im Innenraum und Platz am Stellplatz. Bei Elektrorollstühlen kommt das Gewicht hinzu. Nennen Sie deshalb bei der Anfrage Länge, Breite, Höhe mit Ihnen darin und das Gewicht, am besten aus dem Datenblatt.
Die Pflicht: Rollstuhl und Person getrennt sichern
Wer im Rollstuhl sitzend in einem Pkw mitfährt, braucht einen Rollstuhlstellplatz mit zwei Systemen: einem Rückhaltesystem für den Rollstuhl und einem Rückhaltesystem für die Person. Das schreibt § 35a Absatz 4a der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung vor. Beide Systeme sind so zu benutzen, wie es die Hersteller vorsehen – auch der Hersteller des Rollstuhls.
Seit Juni 2016 gilt außerdem: Diese Systeme müssen während der Fahrt angelegt sein, genau wie ein Sicherheitsgurt (§ 21a StVO). Seit Februar 2017 ist ein Verstoß bußgeldbewehrt.
Wichtig zu wissen: Die Sicherung des Rollstuhls ersetzt nicht den Gurt für die Person. Beides gehört zusammen.
So sieht eine gute Sicherung aus
Verbreitet ist ein Aufbau aus zwei Teilen. Er schützt aber nur, wenn alles korrekt und straff angelegt ist:
- Rollstuhl-Rückhaltesystem: Vier Gurte, zwei vorn und zwei hinten, verbinden den Rollstuhl mit Verankerungen im Fahrzeugboden. Sie gehören an stabile Rahmenteile, nicht an Räder oder leicht zerbrechliche Teile.
- Personen-Rückhaltesystem: ein Beckengurt, der tief über dem Becken liegt, und ein Schultergurt quer über den Oberkörper. Zusammen ergibt das einen Dreipunktgurt.
- Warum der Schultergurt wichtig ist: Ohne ihn kann der Oberkörper bei einem Aufprall nach vorn schnellen, und der Kopf schlägt auf Knie oder Fahrzeugteile. Fachleute nennen das Klappmesser-Effekt.
- Warum der Beckengurt richtig liegen muss: Läuft er über den Bauch statt über das Becken, können bei einem Unfall schwere innere Verletzungen entstehen. Armlehnen und Seitenteile des Rollstuhls stehen dabei manchmal im Weg.
Kraftknoten und DIN 75078-2
DIN 75078-2 ist die deutsche Norm für Rückhaltesysteme in Kraftfahrzeugen zur Beförderung mobilitätsbehinderter Personen. Sie stellt Anforderungen an das Fahrzeug, an die Rückhaltesysteme für Person und Rollstuhl und an den Rollstuhl selbst. Aktuell ist die Ausgabe vom März 2026. Für die Rückhaltesysteme im Fahrzeug gibt es außerdem die internationale Norm ISO 10542-1.
Die DIN-Norm definiert den Kraftknoten: den Punkt im Bereich der Hinterachse des Rollstuhls, in den die Kräfte von Personen- und Rollstuhlsicherung idealerweise eingeleitet werden. In der Praxis sind das genormte Befestigungsteile am Rollstuhl, in die die Gurte des Fahrzeugs eingeklickt werden. Dazu kommen ein Beckengurt am Rollstuhl und der Schultergurt aus dem Fahrzeug. Das soll Fehlbedienungen verringern. Ob und wie ein Rollstuhltyp nachgerüstet werden kann, wird per Crashtest geprüft.
Pflicht ist der Kraftknoten am Rollstuhl nicht. Die Bundesregierung hat 2016 klargestellt, dass sich die Vorschriften auf die Ausrüstung des Fahrzeugs beziehen, nicht auf den Rollstuhl. Gehört Ihr Rollstuhl der Krankenkasse, brauchen Sie vor einem Umbau deren Zustimmung.
ISO 7176-19: Ist mein Rollstuhl als Sitz geeignet?
ISO 7176-19 ist die internationale Norm für Rollstühle, die im Fahrzeug als nach vorn gerichteter Sitz genutzt werden. Sie gilt für Rollstühle mit und ohne Motor, auch für Scooter, und regelt Prüfverfahren, Anforderungen, Kennzeichnung und Gebrauchsanweisung.
Ob Ihr Rollstuhl dafür geprüft ist, steht in den Unterlagen des Herstellers. Fragen Sie im Zweifel beim Hersteller oder in Ihrem Sanitätshaus nach.
Hat Ihr Rollstuhl eine Kopfstütze, prüfen Sie in den Herstellerangaben, ob sie für die Fahrt im Fahrzeug vorgesehen ist, und erwähnen Sie sie bei der Anfrage. Gleiches gilt für Anbauten wie Tische oder Steuerungen, die während der Fahrt im Weg sein könnten.
Wann Umsetzen auf den Fahrzeugsitz sinnvoller ist
So gut die Sicherung im Rollstuhl sein kann: Am sichersten fahren Sie auf einem regulären Fahrzeugsitz mit Dreipunktgurt. Das betont auch der Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen (bvkm).
Wenn Sie sich mit etwas Hilfe umsetzen können, ist das deshalb oft die bessere Wahl. Der Rollstuhl wird dann separat verstaut und gesichert. Ist ein Umsetzen nicht möglich oder zu belastend, bleiben Sie im Rollstuhl sitzen – dann mit vollständiger Sicherung von Rollstuhl und Person.
Ob Umsetzen für Sie in Frage kommt, entscheiden Sie. Sprechen Sie im Zweifel mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Therapeutin.
Checkliste für Ihre Anfrage
Mit diesen Angaben kann ein Fahrdienst Ihre Fahrt gut vorbereiten:
- Art des Rollstuhls: Faltrollstuhl, Aktivrollstuhl, Elektrorollstuhl oder Scooter
- Maße und Gewicht des Rollstuhls, beim Elektrorollstuhl aus dem Datenblatt
- Kraftknoten oder Prüfung als Sitz im Fahrzeug nach ISO 7176-19 vorhanden?
- Können Sie sich umsetzen, mit oder ohne Hilfe?
- Kopfstütze, Anbauten oder Hilfsmittel, die mitfahren
- Stufen oder Treppen an Abholadresse oder Ziel
- Fährt eine Begleitperson mit?
Wie der Fahrdienst Hunger helfen kann
Wir fahren rollstuhlgerecht mit Rampe. Sie können im Rollstuhl sitzen bleiben oder sich mit Hilfe umsetzen. Wir helfen beim Ein- und Aussteigen und begleiten Sie von Tür zu Tür, in ganz Berlin.
Schicken Sie uns die Angaben aus der Checkliste mit Ihrer Anfrage, dann klären wir vorab, ob alles passt. Mehr zu unseren Rollstuhlfahrten.
Dieser Ratgeber gibt den Stand Oktober 2026 wieder und ersetzt keine Rechts-, Sozial- oder Krankenkassenberatung. Verbindlich ist, was Ihre Kasse oder Behörde im Einzelfall entscheidet.



